Was treibt Sie nach all den Jahren auf der Bühne immer noch an?
Die Freude, Geschichten und Lieder ins Publikum zu schmettern und dann zu erleben, was mit den Leuten passiert. Jeder Abend ist anders, wer kann das von seiner Arbeit sagen? Und mit so vielen Leuten zusammen zu lachen ist gerade in diesen leicht irrsinnigen Zeiten ein auch für mich heilsames Gefühl. Humor heißt im Groben „Befeuchtung“. Ein Abend im Theater ist also bestenfalls eine Art Bad für die Seele.
Gibt es Themen, die Ihnen aktuell besonders am Herzen liegen und die Sie auf die Bühne bringen möchten?
Diese Themen bleiben. Klima, Kriege und soziale Veränderungen. Mein komisches Leitmotiv aber ist der Widerspruch, den man auf der ganzen Welt sehen kann. Wissen und Handeln gehen bei uns getrennte Wege. Wir wissen, der Meeresspiegel steigt, aber immer weniger Kinder lernen schwimmen. So ist der Mensch. Ein Widerspruchswesen. Schon Teiresias, der große Seher, war blind. Beethoven, der große Komponist, war taub. Und Columbus, der große Entdecker, war blind. Und unsere Wirtschaftsministerin Frau Reiche ist gleich alles!
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Was hat sich verändert – und was ist gleichgeblieben?
Vor 25 Jahren war Kabarett eine freigeistige Art, das politische System in den Köpfen der Leute durchzuschütteln. Das hat sich total gedreht. Wir sind mit unseren Texten eher zu Systembewahrern geworden. Der weltweite Populismus und seine völlige Verdrehung von allgemeingültigen Kommunikations- Codierung hat alles verändert. Ereignisse wie Donald Trump überholen als neue Realität die Satire.
Welche Verbindung haben Sie zu Ibbenbüren?
Wenn man an einen Ort kommt, an dem der Techniker schon auf der Rampe steht und auf die Ankunft der Künstler wartet, verbindet das. Von Reinhardt Holocher bis zu Rea te Poel und Karsten Keller, wir sind immer toll begleitet worden. Und ich stehe so gerne auf dieser breiten Bühne, auf der sich die Leute immer schnell „umarmen“ lassen.
Gibt es besondere Erinnerungen, die Sie mit Ibbenbüren verknüpfen?
Soundcheck mit STORNO 2014 und der Sound des Flügels war irgendwie dumpf. Wir krochen mit Techniker Heiko in den Flügel. Eine scheinbar rote blutige Spur durch das Innere des Flügel, ließ Schlimmes vermuten, stellte sich dann aber als hinterlassene Erinnerung eines vorherigen Gastspiels heraus. Im Eifer des Bühnengefechts war einer Kollegin ein volles Weinglas in das Flügelinnere gefallen. Ob sie selbst so voll war, dass sie es nicht gemeldet hat, ist nicht überliefert. So aber kostet ein Glas Wein statt 4 € schnell 8000 €.
Sie waren viele Jahre Teil des Ensembles STORNO – was unterscheidet Ihre Soloarbeit heute von der Zeit im Trio?
Bei STORNO war es die tagesaktuelle Verarbeitung, die Frage nach dem „Wie im Heute“. Ein politisches Streitgespräch. Als Solist beschäftige ich mich eher mit dem „Warum im Allgemeinen“. Das Politische liegt hier eher im Privaten. Zudem ist meine Figur auf der Bühne natürlich viel breiter. Alleine darf ich Facetten, die sonst den Mitstreitern zugeschrieben waren, für mich einnehmen. Sehr aufregend. Naja, ansonsten hat sich die Garderobensituation verändert. 20 Jahre, 3 Männer, nassgeschwitzt in einem kleinen Raum. Olfaktorisch gestaltet sich jetzt einiges toleranter.
Was dürfen die Ibbenbürener Zuschauerinnen und Zuschauer von Ihrem Auftritt im Jahr 2027 erwarten?
Nach meinem Bürgerhaus Gastspiel mit HIRN IN TEILZEIT wollte ich vor dem Tourstart des neuen Programms 2028 einen Abend gemeinsam mit Gästen bestreiten. Mit anderen Kolleg*innen einen Abend gestalten ist immer spannend und funny. Und Philipp Weber und Matthias Reuter sind jeder auf ihre Art sehr besonders. Beides Kollegen, die ich sehr mag und mit denen ich schon im Laufe der Jahre häufiger zusammengearbeitet habe. Wir spielen aus unseren jeweiligen Programmen, haben aber auch kleine überraschende Begegnungen. Und so entsteht ein garantiert einzigartiger Abend. Ich sage mal so: Wenn ich nicht an dem Abend spielen müsste, ich würde mir eine Karte kaufen (lacht).

